Gefährden Künstlerfarben die Gesundheit?

Immer wieder erhalte ich Mails und Anfragen, die das gleiche Thema zum Inhalt haben: „Kann es sein, dass Künstlerfarben krank machen“?

Die Hersteller werben ja immer wieder mit Zertifikaten oder Labels, die die Umweltverträglichkeit ihrer Farben herausstellen sollen. „Für Kinder geeignet“! oder „Umweltverträglich“! ist so eine Floskel, die allerdings wenig über die Gefahren einer Farbe aussagt. Man muss kein Chemiker sein, um zu wissen, dass bestimmte Farben und Malmittel mit Sicherheit gefährlich sind. Allgemein bekannt ist, dass schon der Geruch einer Farbe oder eines Lösemittels bei empfindlichen Menschen zu allergischen Reaktionen führen kann.

Ich arbeite seit meiner Kindheit mit Künstlerfarben. Habe viel über die Zusammensetzung gelesen und mich mit einigen der besten Chemiker unterhalten. Zur Zeit stellt sich für mich eine ganz andere Frage: Gibt es ungefährliche Farben?

Meine Quellen sagen mit Sicherheit NEIN! Jede Farbe, jedes Lösemittel und alle Zusätze in den Farben sind Chemie. Es gibt keine Ausnahmen! Maler und Lackierer verwenden die gleichen Farbbausteine und müssen spezielle Sicherheitsvorschriften einhalten.

Im Gegensatz dazu gehen die meisten Hobbykünstler viel zu sorglos mit den Farben und Malmitteln um. Da werden in der Regel keine Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Man will sich ja sein schönes Hobby nicht durch Sicherheitsvorschriften vermiesen lassen.

Wer mit Ölfarben und den Verdünnern arbeitet, sollte besonders vorsichtig sein. Meistens fehlt eine ausreichende Belüftung im Raum. Es gibt Fälle, wo man im Schlafzimmer malt und dort auch noch die Bilder zum trocknen aufstellt. Selbst wenn man hier ausreichend belüftet, entstehen durch die Verdünner und Malmittel Schadstoffkonzentrationen, die den Raum eigentlich unbewohnbar machen. Kopfschmerzen sind da noch die leichteste Nebenwirkung.


Prüflabel aus USA

Wer auf Nummer Sicher gehen will kann sich am strengen ASTM Standart orientieren. Das bringt zwar keine absolute Sicherheit, aber die getesteten Farben richten sich nach den strengen USA Normen des Prüflabels. Die Farben und Produkte wurden auf ihre Gefährlichkeit getestet. Hier finden Sie weitere Infos zum Label http://www.acminet.org

Farben und Produkte auf denen das Label zu erkennen ist, kann man ohne Bedenken kaufen. Es gibt aber auch Farben, die kein Label tragen und dennoch ungefährlich sind. Eine Garantie gibt es also nicht!


Prüflabel aus USA

Nicht immer ist auf den Tuben oder Flaschen das Label aufgedruckt. Wie hier bei Lascaux wird nur darauf hingewiesen, dass die Farbe USA conform to ASTM D-4336 ist. Man muss also immer etwas genauer hinschauen und das Kleingedruckte lesen, wenn man Sicherheit haben möchte.


Auch immer wieder zu beobachten! Es wird alles zusammen gemixt was der Markt hergibt. Viel hilft viel!

Gerade im Umgang mit Acrylfarben wird viel falsch gemacht. Durch die Wasserlöslichkeit entsteht der Eindruck, die Farbe sei umweltfreundlich und somit ungefährlich. Besonders beliebt ist das Herstellen eigener Farben mit Binder und Pigmenten. Jeder Chemiker weiß, dass die meisten Pigmente in Pulverform beim einatmen gesundheitsschädlich sind. Kadmiumpigmente und Kobaltpigmente können Allergien und sogar Krebs auslösen. Der Pigmentstaub verteilt sich in der Wohnung und wird als feiner Staub eingeatmet.

Auch beim Selbstanreiben von Farben werden alle möglichen Mittelchen, wie Entschäumer und Schimmelhemmer eingemischt. Es gibt ja immer wieder den ultimativen Tipp eines selbsternannten Fachmanns, der die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. So vergiftet man sich auf Raten und die Ärzte tappen im dunkeln.

Eine weitere Unsitte, die aber sicherlich aus Unwissenheit entsteht, ist der Kauf verschiedener Sorten. Da gibt es ja immer noch ein Sonderangebot oder die Eigenmarke eines Versandhändlers. Nach Auskunft eines vertrauenswürdigen Chemikers entsteht durch das Vermischen der Marke A mit der Marke B und der Marke C schon mal ein Chemiecoktail, der es in sich hat. Den jeder Hersteller hat seine eigenen Rezepte und Zusatzstoffe. Und das alles reagiert dann miteinander zu neuen chemischen Verbindungen. Die meist geruchslosen Dämpfe atmet man ein und die Folge sind Übelkeit, Erbrechen oder Schleimhautreizungen. Auch Hautausschläge, die durch den Kontakt entstehen, können immer wieder beobachtet werden.

Am schlimmsten finde ich die Airbrusher. Sie atmen die feinen Farbstäube mit den Löse- und Bindemitteln ungefiltert ein. Maler und Lakierer müssen beim Versprühen von Farbe spezielle Schutzmasken tragen. Neulich sah ich ein Video, wo in einem Kurs gleich 10 Leute locker drauflos gesprüht haben. Durch den Farbnebel konnte man kaum noch was erkennen.

Auch viele Pastellmaler haben die Unsitte, das Bild vor sich auf den Tisch zu legen und den Farbstaub einfach wegzublasen. Dudurch verunreinigt man aber die gesamte Raumluft mit dem feinen Pigmentstaub. Nicht nur dass sich der Staub überall auf den Möbeln und sonstwo festklebt, man atmet ihn auch ein.

>> Pastellstaub vermeiden

>> Diese Farben verwende ich selbst bei der Arbeit


Soll man nun besser mit dem Malen aufhören?

Sie müssen ihr liebstes Hobby keinesfalls aufgeben. Aber Sie sollten einige Sicherheitsmaßnahmen beachten und auf Markenqualität achten.


Mein erster Ratschlag an meine Schüler im Ölmalkurs ist immer der: „Lösemittel haben nichts zuhause im Wohn- oder Schlafbereich zu suchen“! Auch wer ein eigenes Atelier hat, muss darauf achten, dass er sorgfältig mit Lösemitteln umgeht. Es sollte immer nur soviel verwendet werden wie unbedingt nötig. Die Behälter sollten gut verschlossen werden. Niemals Lösemittel offen stehen lassen. Lappen oder Paletten nach dem Malen in einem Behälter luftdicht verschließen. Bilder an einen gut zu lüftenden Ort stellen. Niemals in der Küche oder im Schlafzimmer malen. Am besten ist es immer noch, auf die diversen Malmittel zu verzichten. Besonders auf das nicht ungefährliche Alkydharz kann verzichtet werden. Es geht nämlich auch ganz gut ohne!

Den Acrylmalern empfehle ich nur Sorten, die ich auch selbst getestet habe und mit denen ich schon seit Jahren oder sogar seit Jahrzehnten arbeite. Prinzipiell sollte das Zusammenmischen verschiedener Marken vermieden werden. Wer viel mit den „Händen“ malt, sollte Handschuhe tragen. So vermeidet man Kontaktallergien! Große Farbbehälter sollte man verschließen. Verwenden Sie immer nur so viel Farbe, wie Sie auch tatsächlich brauchen. Acrylmalmittel, Pasten usw. nur in einem gut belüfteten Raum verwenden. Vor allen Dingen seien Sie mit Spraydosen vorsichtig; Immer einen Atemschutz tragen und von Kindern fernhalten.

Von der Airbrush lasse ich mittlerweile die Finger. Die meisten meiner Kollegen sind durch die jahrelange Benutzung der Spritzpistole krank geworden oder haben schwere Allergien entwickelt.

Wer mit Pastell arbeitet, sollte ebenfalls vorsichtig sein. Aber man kann den Staub vermeiden, wenn man es richtig macht. Ich habe extra ein kleines Video gedreht, in dem ich zeige, wie man Staub vermeiden kann.
>> zum Video

Von dubiosen Eigenmarken aus dem Internet und Nonames rate ich ab. Auch wenn sie noch so billig sind! Denn in den billigen Farben lauert die meiste Gefahr. Wenn es schon die Eigenmarke eines Versandhändlers sein soll, dann fragen Sie, wer die Farben herstellt und woher sie kommen. Ein seriöser Händler wird Ihnen genau sagen, von wem er seine Farben bezieht. Ansonsten kaufen Sie lieber Markenware die in Europa hergestellt wurde.

Was kann man noch tun? Wer kein eigenes Atelier hat, sollte andere Farbsysteme benutzen! Mit Sicherheit sind Aquarell- oder Gouachefarben kaum mit Chemie belastet. Die Lösemittel, wie bei den Ölfarben, erübrigen sich. In der Regel ist hier nur Pigment und das Bindemittel (Gummi Arabikum) vermischt. Einige Hersteller mischen dann noch Fließverbesserer und Pilz/Schimmelhemmer in sehr geringen Mengen bei. Die sind allerdings in Öl- und Acrylfarben in viel größeren Mengen enthalten.

„Wer zeichnet lebt gesünder“, sagte mal ein Kollege zu mir. Kohle, Rötel oder Buntstifte sind ungefährlich. Es gibt wunderbare „gesunde“ Techniken, die ohne großen Aufwand herrliche Ergebnisse garantieren.

Aber auch mit Öl- oder Acrylfarben kann man problemlos arbeiten, wenn man die Regeln beachtet. Das Problem mit den Lösemitteln entsteht doch nur, weil immer mehr Leute ohne ausreichendes Grundwissen über Nacht zum Künstler mutieren, aber von der Technik nicht wirklich Ahnung haben. Diese selbsternannten Fachleute geben dann ihr Halbwissen weiter, dass sich rasend schnell übers Internet oder in Hobbyzeitschriften verbreitet. Kaum jemand hinterfragt oder prüft nach, ob das dann alles so richtig ist. Da werden Techniken gezeigt, da wird einem schon alleine vom Zusehen schlecht. Und solange es keine ausreichende Kennzeichnungspflicht für Künstlerfarben in der EU gibt, muss man eben selbst was tun.

Ihr Franz-Josef Bettag

>> Diese Farben verwende ich selbst bei der Arbeit


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