Gefährden Künstlerfarben die Gesundheit?

Eine Betrachtung von Franz-Josef Bettag

Als ich den ersten Artikel zum Thema vor knapp 3 Jahren veröffentlichte, hatten die meisten Leser wenig Interesse an der Diskussion um Gesundheitsgefahren die von Hobby- und Künstlerfarben ausgehen. Heute ist das Thema in der Szene angekommen. Ich halte die Diskussion für gut und nützlich, muss aber auch feststellen, dass sich zwei Lager gebildet haben: Die einen spielen das Problem herunter und die anderen betrachten es viel zu emotional und ängstlich. Beides ist falsch und nützt keinem, schon gar nicht den Betroffenen, die ihr schönes Hobby nicht mehr ausüben können.

Auf der anderen Seite befürchten Hersteller und die Fachhändler Umsatzeinbusen. Der Markt hat lange gut funktioniert, gerade wegen der Hobbykünstler und jetzt keimt eine Diskussion, die man gerne unterbinden möchte. Andererseits diskutieren selbsternannte Spezialisten und Hobby-Alchemisten über ein Thema, dass in Profihände gehört. Jeder weiß etwas, hat etwas gehört, gibt seinen Senf dazu und keiner weiß aber wirklich etwas! So könnte man momentan die Situation beschreiben.

In den bunten Katalogen der Versandhändler kann man neuerdings nachlesen, welche Konservierungsstoffe und Zusätze in den Farben enthalten sind. Es gibt sogar Gefahrenpiktogramme, die kaum einer versteht. Einige Marken werden als regelrechte Chemiebaukästen beschrieben und andere - durch die fehlenden Beschreibungen der Inhaltsstoffe – reingewaschen. All das ist Verkaufstaktik und eine gezielte Irreführung des Verbrauchers. Es gibt keine Farbe ohne Chemie!

Weshalb und wie Künstler- und Hobbyfarben krank machen können wird dabei völlig außer acht gelassen.

In all den Jahren habe ich mit vielen Chemikern, Profi- und Hobbykünstlern gesprochen, Diskussionen geführt und Erkenntnisse gesammelt, die Eines immer wieder gezeigt haben;

Das Problem ist nicht die Farbe, sondern der Künstler!

Wenn Naivität, Unwissenheit und Geiz zusammen kommen, dann wird’s brandgefährlich.


Naivität: Man möchte über Nacht zum Künstler mutieren!
Unwissenheit: Man hat eigentlich gar keine Ahnung von der Technik und dem Material!
Geiz: Man kauft gerne Billig und legt keinen Wert auf Qualität!


Diese drei Faktoren beeinflussen sich untereinander und zu dem, was wir seit Jahren in der Szene beobachten: Es wird ohne Fachkenntnis gekauft und gearbeitet, der Materialeinkauf und die Technik wird emotionalisiert!

Die Werbung der Hersteller und der Händler hat sich genau auf eine ganz spezielle Zielgruppe eingestellt. Menschen die schnell und ohne großen Aufwand Bilder malen wollen.

In der Werbung kennt man das Phänomen. Je emotionaler ein Produkt beworben wird, desto schneller verkauft es sich. Kritische und aufgeklärte Kunden bekommt man nicht so schnell an die Kasse.

Ich habe gerade den Katalog eines großen deutschen Versandhändlers vor mir liegen und beim durchblättern fällt mir folgendes auf: Auf vielen Seiten schmucke Bilder mit verschmierten Schuhen, Pinseln, Paletten und Fingern. Künstler die happy im Dreck arbeiten, offene Tuben und Flaschen wo man hinschaut. Unter dem Motto „Kunst braucht Begeisterung..“ kann man sehen, wie man mit Farbe umgehen soll.

Dieses Beispiel ist eines von vielen und besagter Versandhändler nicht der einzige im Club. Sicherlich hat Kunst auch sehr viel mit Emotionen zu tun, aber Farbe ist nun mal nicht sinnlich oder erotisch. Wer so etwas behauptet erzählt bodenlosen Quatsch.

Farbe, Pinsel und den Rest, den man zum Malen braucht ist Handwerkszeug. Farbe ist und war immer Chemie. Wer etwas anderes erzählt, erzählt Märchen. Mir war das noch nie so bewusst wie heute!

Leider wollen viele Künstler nicht hören das Farbe krank machen kann, sie wollen Kunst machen, tolle Bilder malen, Anerkennung finden usw. Und da spielt auf der einen Seite das Handwerk eine vollkommen untergeordnete Rolle. Man nimmt was der Markt hergibt, hauptsache billig und einfach zu verwenden. Was zählt ist das fertige Produkt, dass schnell verarbeitet werden kann. Wer hat schon Zeit der Farbe beim trocknen zu zu sehen.

Auf der anderen Seite stehen die Hobby-Alchemisten, die gerne experimentieren und alte und neue Rezepturen ausprobieren. Im Internet gibt es zig tausende Anleitungen, wie man Farben und Malmittel selbst anmischt. Da wird gemischt was der Chemiebaukasten hergibt, obwohl die Leute ja keine Chemiker sind, also gar nicht wissen, was sie da zusammenbrauen. Im Fachhandel gibt es die Komponenten billig zu kaufen.

Mich wundert es wirklich, dass hier noch keine Häuser explodiert sind oder ganze Familien vergiftet wurden. Zumindest ist mir bekannt, dass eine Katze an den Lösemitteldämpfen beim selbstanbrauen von Leinölfirnis ums Leben kam.

Es gibt Fotos von früher, also ganz früher, so um das achtzehnte Jahrhundert, auf denen die Künstler mit Anzug, Schlips und manche auch im Malerkittel an der Stafellei standen. Waren diese Fotos gestellt? Früher waren gute Farben teuer, schwer herzustellen und der Beruf des Künstlers war handwerklich geprägt. Mit Farben verschwenderisch umzugehen, wäre ziemlich uncool gewesen.
Ausserdem (achtung Handwerk!) wussten die Künstler, mit Farben und Lösemitteln umzugehen.

Im Gegensatz dazu sind heute Farben billig, jeder kann sich mit Farben austoben und keiner weiß wirklich was in den Farben drinnen ist und wie man damit umgeht. Jeder macht das was er für richtig hält oder was er so an Infos im Internet findet. Erfahrungsgemäß nimmt er dann die Infos, die für ihn am einfachsten rüber kommen. Also nicht das Fachwissen, sondern das Einfachwissen, dass dann auch schon mal von einer fünzehnjährigen Bloggerin stammt! Manch einer oder eine kommt dann auch noch auf die Idee ohne Fachwissen eine Malschule zu eröffnen und den naiven und unwissenden ihr Pseudowissen aufzudrücken. Es wird nicht mehr nach den Regeln gelehrt, sondern emotional gearbeitet, also ohne tieferen Sinn. Der Spaß steht im Vordergrund, aber zu welchem Preis?

Auch hat sich dadurch der Blick auf den Künstler verändert. Früher ein Handwerker, der im Salon arbeitete und heute ein ? , ein Künstler eben, dessen Image durch die Selbstdarstellung geprägt wird. Und das was die Künstler uns zeigen, wird nachgemacht und kopiert. Jeder will ein Künstler sein und genau so, wie man uns die Künstler zeigt und wie sich uns die Künstler darstellen.

Wenn dann einer dieser Künstler in Farbe badet, an Lösemitteln schnüffelt, Farben selbst anmischt, behauptet seine Farbe sei vollkommen ungiftig, die könne man sogar trinken, dann wollen wir das auch - wir glauben! - wir wollen so sein wie der Künstler. Ob der aber wirklich weiß was er da tut?

In den vergangenen Jahren wurden die meisten Bücher über Zeichnen und Malen von Hobbykünstlern geschrieben. Keiner dieser Autoren und Autorinnen besitzt das nötige Fachwissen oder hat eine pädagogische Ausbildung.Sie werden von den Verlagen nur aus einem einzigen Grund rekrutiert, sie malen schöne Bilder, die man vermarkten kann (Sicherlich gibt es auch Ausnahmen, aber ich habe nur wenige kennengelernt!).

Und jetzt komme ich wieder auf die Emotion zurück; Schöne Bilder malen, die man an die Wand hängen kann. Sich als Künstler fühlen! Malen ohne Vorkenntnisse, dass System Bob Ross!
Und das auch noch mit Ölfarbe, die mit Lösemitteln vermalt wird. Gemalt wird zuhause in der Küche, im Wohnzimmer oder vielleicht auch im Schlafzimmer. Kein vernünftiger Mensch würde sich Terpentin, Benzin oder Alkydharz zum verdunsten in die Wohnung stellen oder freiwillig einatmen. Wissen Sie mit was Sie da arbeiten?

Na dann machen wirs eben mit wasserlöslichen Ölfarben oder doch lieber mit Acrylfarben, die sind ja wasserlöslich und deshalb vollkommen ungefährlich, weil wasserlöslich gleich ÖKO suggeriert.
Farben, egal welche, sind und bleiben ein chemisches Produkt. Das gilt für lösemittel- wie auch für wasserbassierte Farbsysteme. Ganz egal ob ein Hersteller ehrlich ist und die Inhaltsstoffe deklariert oder ob er verschweigt was drinnen steckt, es kommt hinten immer etwas raus.

Es gibt für jedes Farbsystem bestimmte Anwendungsregeln, die man beachten oder missachten kann. Das hängt von jedem selbst ab! Wer mit Farben, insbesondere mit Öl- oder Acrylfarben arbeiten will, muss wissen, dass alle Systeme Lösemittel, Konservierungsstoffe und gefährliche Pigmente enthalten, die zu gesundheitlichen Problemen führen können. Ob und wie eine Gefährdung entsteht hängt immer von der Anwendung ab. Sind mir die Regeln egal oder nehme ich die Regeln ernst und halte mich daran. Mit Sicherheit macht es mehr Spaß die Regeln zu missachten und emotional zu arbeiten. Die Freiheit der Kunst wird ja gerne in die Argumentation eingebracht, also Freiheit und Regeln, das passt so gar nicht zusammen.

Und genau da legen die Werbefachleute den Finger in die Wunde und wecken Bedürfnisse, die aber leider krank machen können. Den ein naiver, unwissender Kunde wird mit Sicherheit auf die Werbung hereinfallen. Wenn er dann noch billig einkauft hat er schon verloren, den Billig und Qualität passen leider nicht zusammen.

Ich kann heute mit Sicherheit sagen, für die Ölmalerei braucht man in der Regel die ganzen Malmittel, Alkydharze und Lösemittel nicht. Auch bei der Acrylfarbe geht es relativ ungefährlich zu, wenn man Qualität kauft und nicht die Billigsoße vom Discounter. Spraydosen, Airbrush, Lösemittel, Konservierungsstoffe, Pigmente usw, all das gehört nicht in die Hände von Unwissenden und Hobby-Alchemisten. Und bitte auch nicht in die Hände von Kindern oder kranken Menschen.

Ich lese im Internet mit großem Interesse die Fragen der Hobbkünstler und die gut gemeinten Ratschläge, die darauf folgen. Ich frage mich allerdings, was die Leute eigentlich wollen. Wollen sie Malen lernen oder wollen sie Chemiker werden? Nicht immer kommt man ohne die ganzen Hilfsmittelchen aus, aber aus Erfahrung kann ich sagen, dass ein Freizeit- und Hobbkünstler sie nicht braucht. Selbst ein Profikünstler kann gut und gerne darauf verzichten.

Ist denn jetzt Künstlerfarbe gefährlich oder nicht? Hier meine Antwort, die ich schon weiter oben gegeben habe:
Das Problem ist nicht die Farbe, sondern der Künstler!

Mein Rat wäre, halten Sie sich an die Regeln. Arbeiten Sie vorsichtig und verzichten Sie auf Lösemittel so gut es geht. Steigen Sie auf alternative Farbsysteme um, arbeiten Sie aber auch damit vorsichtig. Und kaufen Sie Künstlerqualität der verschiedenen Markenhersteller, Informieren Sie sich, was in den Farben steckt und verzichten Sie auf Billigware. Sind Sie kritisch gegenüber allzu bunten Werbeaussagen.
Und wenn Sie doch mal Lösemittel brauchen, ein Bild fixieren oder firnissen wollen, dann machen Sie das nicht in der Wohnung oder im Atelier, sondern gehen Sie nach draußen und verwenden Sie zum Schutz eine Feinstaubmaske. Nur wer sich Informiert und schützt kann ohne Probleme arbeiten und hat lange Spaß an der Malerei.


Und die Wenigen, die tatsächlich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen allergisch reagieren, die sollten sich nach Alternativen umsehen. Öl- und Acrylmalerei ist nicht alles, es gibt auch anderen Farbsysteme, die schöne und aussergewöhnliche Ergebnisse ermöglichen.

>> Pastellstaub vermeiden
>> Sicherheitsregeln für Acryl- und Ölfarben
>> Künstlerfarben die ich empfehlen kann


>> Lesen Sie dazu auch den aktuellen Bericht in der Nr. 2 meines Online Magazines

Maler und Lackierer verwenden die gleichen Farbbausteine und müssen spezielle Sicherheitsvorschriften einhalten.


Im Gegensatz dazu gehen die meisten Hobbykünstler viel zu sorglos mit den Farben und Malmitteln um. Da werden in der Regel keine Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Man will sich ja sein schönes Hobby nicht durch Sicherheitsvorschriften vermiesen lassen.

Liebe Freunde, bevor Ihr einigen Besserwissern, Verharmlosern, Abwieglern und deren Fake News auf den Leim geht informiert Euch. Wer lesen kann, wird auch zwischen den Zeilen lesen und schnell merken, dass Farbe nicht so ungefährlich ist, wie man uns glauben machen will.

>> Hier ein Link, des Verbandes der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e. V.

>> Leitfaden des VdL als PDF downloaden


Hinweise der Hersteller

Bei der Recherche zu diesem Thema musste ich leider feststellen, dass nicht alle Hersteller und Händler bereit sind die Inhaltsstoffe ihrer Farben offen zu legen. Einige Hersteller haben sich gar nicht gemeldet, andere schicken bunte nichtssagende Prospekte und nur wenige geben brauchbare Informationen.

Als positives Beispiel möchte ich Schmincke herausstellen, die nicht nur in ihren Prospekten, sondern auch im Fachhandel genau deklarieren, welche Biozide und andere Inhaltsstoffe in ihren Acryl- und Ölfarben enthalten sind. Ich hatte auch ein sehr informatives Gespräch mit dem Chemiker von Schmincke, der mir bereitwillig Fragen beantwortete. Eine Ausnahme, wie ich feststellen musste!

Auch die beiden großen Versandhändler - Gerstäcker und Boesner - deklarieren einige, aber leider nicht alle Produkte, wenn kennzeichnungspflichtige Inhaltsstoffe die Allergien auslösen können, enthalten sind. In den Läden bekam ich keine Infos, eine Verkäuferin reagierte sogar agressiv oder man bekommt falsche Infos. Also Unwissenheit oder Verschleierungstaktik. Hier herrscht noch großer Nachholbedarf, denn als Allergiker möchte ich nicht nur bunte Bildchen und Rabattaktionen, sondern auch Infos über die Zusammensetzung der Produkte.


Prüflabel aus USA

Wer auf Nummer Sicher gehen will kann sich am strengen ASTM Standart orientieren. Das bringt zwar keine absolute Sicherheit, aber die getesteten Farben richten sich nach den strengen USA Normen des Prüflabels. Die Farben und Produkte wurden auf ihre Gefährlichkeit getestet. Hier finden Sie weitere Infos zum Label https://acmiart.org/

Farben und Produkte auf denen das Label zu erkennen ist, kann man allerdings auch nicht ohne Bedenken kaufen. Hier werden nur Standarts geprüft und Farben die nicht in Amerika angeboten werden, müssen auch nicht geprüft werden. Es gibt also auch Farben, die kein Label tragen und dennoch ungefährlich sind. Im Übrigen gibt es keine Farbe in der keine Chemie enthalten ist und deshalb gibt es keine absolute Sicherheit!


Prüflabel aus USA

Nicht immer ist auf den Tuben oder Flaschen das Label aufgedruckt. Wie hier bei Lascaux wird nur darauf hingewiesen, dass die Farbe USA conform to ASTM D-4336 ist. Man muss also immer etwas genauer hinschauen und das Kleingedruckte lesen, wenn man Sicherheit haben möchte.


Die Hobby-Alchemisten

Auch immer wieder zu beobachten! Es wird alles zusammen gemixt was der Markt hergibt.

Gerade im Umgang mit Acrylfarben wird viel falsch gemacht. Durch die Wasserlöslichkeit entsteht der Eindruck, die Farbe sei umweltfreundlich und somit ungefährlich. Besonders beliebt ist das Herstellen eigener Farben mit Binder und Pigmenten. Jeder Chemiker weiß, dass die meisten Pigmente in Pulverform beim einatmen gesundheitsschädlich sind. Kadmiumpigmente und Kobaltpigmente können Allergien und sogar Krebs auslösen. Der Pigmentstaub verteilt sich in der Wohnung und wird als feiner Staub eingeatmet.

Auch beim Selbstanreiben von Farben werden alle möglichen Mittelchen, wie Entschäumer und Schimmelhemmer eingemischt. Es gibt ja immer wieder den ultimativen Tipp eines selbsternannten Fachmanns, der die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. So vergiftet man sich auf Raten und die Ärzte tappen im dunkeln.

Eine weitere Unsitte, die aber sicherlich aus Unwissenheit entsteht, ist der Kauf verschiedener Sorten. Da gibt es ja immer noch ein Sonderangebot oder die Eigenmarke eines Versandhändlers. Nach Auskunft eines vertrauenswürdigen Chemikers entsteht durch das Vermischen der Marke A mit der Marke B und der Marke C schon mal ein Chemiecoktail, der es in sich hat. Den jeder Hersteller hat seine eigenen Rezepte und Zusatzstoffe. Und das alles reagiert dann miteinander zu neuen chemischen Verbindungen. Die meist geruchslosen Dämpfe atmet man ein und die Folge sind Übelkeit, Erbrechen oder Schleimhautreizungen. Auch Hautausschläge, die durch den Kontakt entstehen, können immer wieder beobachtet werden.

Am schlimmsten finde ich die Airbrusher. Sie atmen die feinen Farbstäube mit den Löse- und Bindemitteln, sowie den Konservierungsstoffen ungefiltert ein. Maler und Lakierer müssen beim Versprühen von Farbe spezielle Schutzmasken tragen. Neulich sah ich ein Video, wo in einem Kurs gleich 10 Leute locker drauflos gesprüht haben. Durch den Farbnebel konnte man kaum noch was erkennen.

Auch viele Pastellmaler haben die Unsitte, das Bild vor sich auf den Tisch zu legen und den Farbstaub einfach wegzublasen. Dudurch verunreinigt man aber die gesamte Raumluft mit dem feinen Pigmentstaub. Nicht nur dass sich der Staub überall auf den Möbeln und sonstwo festklebt, man atmet ihn auch ein.

>> Gesundheitsgefahr und Anwendungsregeln für Acrylfarben Magazin Download

>> Pastellstaub vermeiden

>> Diese Farben verwende ich selbst bei der Arbeit


Soll man nun besser mit dem Malen aufhören?

Keine Angst, Sie müssen ihr liebstes Hobby keinesfalls aufgeben. Aber Sie sollten einige Sicherheitsmaßnahmen beachten.

Mein erster Ratschlag an meine Schüler im Ölmalkurs ist immer der: „Lösemittel haben nichts zuhause im Wohn- oder Schlafbereich zu suchen“! Auch wer ein eigenes Atelier hat, muss darauf achten, dass er sorgfältig mit Lösemitteln umgeht. Es sollte immer nur soviel verwendet werden wie unbedingt nötig. Die Behälter sollten gut verschlossen werden. Niemals Lösemittel offen stehen lassen. Lappen oder Paletten nach dem Malen in einem Behälter luftdicht verschließen. Bilder an einen gut zu lüftenden Ort stellen. Niemals in der Küche oder im Schlafzimmer malen. Am besten ist es immer noch, auf die diversen Malmittel zu verzichten. Besonders auf das nicht ungefährliche Alkydharz und Terpentin kann verzichtet werden. Es geht nämlich auch ganz gut ohne!

Den Acrylmalern empfehle ich nur Sorten, die ich auch selbst getestet habe und mit denen ich schon seit Jahren oder sogar seit Jahrzehnten arbeite. Prinzipiell sollte das Zusammenmischen verschiedener Marken vermieden werden. Wer viel mit den „Händen“ malt, sollte Handschuhe tragen. So vermeidet man Kontaktallergien! Große Farbbehälter sollte man verschließen. Verwenden Sie immer nur so viel Farbe, wie Sie auch tatsächlich brauchen. Acrylmalmittel, Pasten usw. nur in einem gut belüfteten Raum verwenden. Vor allen Dingen seien Sie mit Spraydosen vorsichtig; Immer einen Atemschutz tragen und von Kindern fernhalten.

Von der Airbrush lasse ich mittlerweile die Finger. Die meisten meiner Kollegen sind durch die jahrelange Benutzung der Spritzpistole krank geworden oder haben schwere Allergien entwickelt.

Wer mit Pastell arbeitet, sollte ebenfalls vorsichtig sein. Aber man kann den Staub vermeiden, wenn man es richtig macht. Ich habe extra ein kleines Video gedreht, in dem ich zeige, wie man Staub vermeiden kann.
>> zum Video

Von dubiosen Eigenmarken aus dem Internet und NoNames rate ich ab. Auch wenn sie noch so billig sind! Denn in den billigen Farben lauert die meiste Gefahr. Wenn es schon die Eigenmarke eines Versandhändlers sein soll, dann fragen Sie, wer die Farben herstellt und woher sie kommen. Ein seriöser Händler wird Ihnen genau sagen, von wem er seine Farben bezieht. Ansonsten kaufen Sie lieber Markenware die in Europa oder USA hergestellt wurde.

Was kann man noch tun? Wer kein eigenes Atelier hat und in der Wohnung arbeitet, sollte andere Farbsysteme benutzen! Mit Sicherheit sind Aquarell- oder Gouachefarben kaum mit Chemie belastet. Die Lösemittel, wie bei den Ölfarben, erübrigen sich. In der Regel ist hier nur Pigment und das Bindemittel (Gummi Arabikum) vermischt. Einige Hersteller mischen dann noch Fließverbesserer und Pilz/Schimmelhemmer in sehr geringen Mengen bei. Die sind allerdings in Öl- und Acrylfarben in viel größeren Mengen enthalten.

„Wer zeichnet lebt gesünder“, sagte mal ein Kollege zu mir. Kohle, Rötel oder Buntstifte sind ungefährlich. Es gibt wunderbare „gesunde“ Techniken, die ohne großen Aufwand herrliche Ergebnisse garantieren.

Aber auch mit Öl- oder Acrylfarben kann man problemlos arbeiten, wenn man die Regeln beachtet. Das Problem mit den Lösemitteln entsteht doch nur, weil immer mehr Leute ohne ausreichendes Grundwissen über Nacht zum Künstler mutieren, aber von der Technik nicht wirklich Ahnung haben. Diese selbsternannten Fachleute geben dann ihr Halbwissen weiter, dass sich rasend schnell übers Internet oder in Hobbyzeitschriften verbreitet. Kaum jemand hinterfragt oder prüft nach, ob das dann alles so richtig ist. Da werden Techniken gezeigt, da wird einem schon alleine vom Zusehen schlecht. Und solange es keine ausreichende Kennzeichnungspflicht für Künstlerfarben in der EU gibt, muss man eben selbst was tun.

Das Problem ist nicht die Farbe, sondern der Künstler!


Ihr Franz-Josef Bettag

>> Diese Farben verwende ich selbst bei der Arbeit


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