Ölfarbe - Malen ohne Lösemittel - Anleitung

Step-by-Step

Die Theorie ist das eine, die Praxis das andere! Malen ohne Lösemittel ist keine Hexerei, sondern einfach nur Technik. Mit diesem Stillleben möchte ich Ihnen die Technik in der Praxis vorstellen. Sie sollen verstehen, wie Sie vorgehen müssen damit ein brauchbares Ergebnis ermöglicht wird.

Letztendlich ist die Vorgehensweise fast die Gleiche, wie mit Lösemitteln. Allerdings gibt es einen kleinen Unterschied, die Trocknung der Farben dauert etwas länger. Bei der Alla-Prima Technik ist das aber nicht von Nachteil, sondern kann – wie ich meine - auch ein großer Vorteil sein. Sie malen konzentrierter und behalten über die Dauer des Malprozesses das Motiv im Blick. Maltechnische Fehler werden besser erkannt. Der „Schnellmaler“ merkt seine Fehler meist erst Tage nach Vollendung seines Bildes und dann sind Korrekturen meist nicht mehr möglich.


Motiv zum Nachmalen


Das vorgestellt Motiv wurde mit dem Safloröl und Leinöl-Standöl, sowie der NORMA, von Schmincke gemalt. Bei Verwendung der Farben und Malmittel anderer Hersteller kann es zu unterschiedlichen Ergebnissen und Trocknungszeiten kommen.


Schmincke Norma und Malmittel Ölfarbe NORMA und Malmittel - Safloröl und Leinöl-Standöl


Vorgehensweise

Ich beginne grundsätzlich mit einer Skizze auf einem getönten Malgrund. Hier in meinem Beispiel ist das ein Keilrahmen, der zuvor mit Acrylfarbe in ein mittleres Graublau eingefärbt wurde. Die Tönung ist wichtig, damit die transpöarenten und halbtransparenten Farbschichten nicht überstrahlen. Ich verdünne dann schwarze und rote Ölfarbe mit etwas Safloröl (Distelöl) und male damit die erste Skizze. Es sollten die Umrisse der Gegenstände, sowie die wichtigsten und markannten Schatten erkennbar sein. Die dunklen Schatten entstehen mit Schwarz und die helleren entstehen mit Rot. Die erste Skizze muss nicht perfekt sein, sollte aber das Motiv beschreiben.

Im zweiten Schritt verdünne ich die Farbe mit Standöl. Ich vermische die Ölfarbe nur mit wenigen Tropfen, damit sie etwas geschmeidiger und leicht klebrig wird. Ich beginne mit dem Tuch und Titanweiß. Der Faltenwurf entsteht mit Coelinblau und etwas Schwarz. Die Schatten vertiefe ich noch etwas stärker mit Schwarz. Ich achte auf den Farbauftrag, dieser sollte dünn und gleichmäßig erfolgen. Ich male nicht in die Gegenstände hinein, grenze die Formen von einander ab.

In dritten Schritt verwende ich ein helles leuchtendes Gelb für die Blätter der Sonnenblumen und für den Apfel. Auch diese Farbe wird mit einigen Tropfen Standöl verdünnt und in gleichmäßigen Pinselstrichen aufgetragen. Zwischentönungen und Schatteneffekte entstehen durch das Ineinandermalen der hellen Farbe mit den bereits drunterliegenden dunklen Farbtönungen. Ich achte darauf, dass meine Pinselstriche glatt gezogen werden und das Vermischen der unteren Schichten nur partitiell erfolgt.

Im vierten Schritt male ich die Grundfarbe der beiden Äpfel mit einem mittleren Rotton. Die Schatten enstehen wieder durch das Stehenlassen der Schattenfarbe. Mit Gelb werden die Lichteffekte herausgearbeitet. Auch hier werden nur wenige gezielte Striche gesetzt. Die Farbtöne dürfen nicht ineinander geschmiert werden, sondern müssen sich überlagern, d. h. die letzte Farbe wird mit dem Pinsel aufgestrichen, nicht verstrichen. Mit Coelinblau entsteht die Grundfarbe der Vase. Man kann jetzt sehr schön am Zustandsbild erkennen, wie das Blau die dunkle Schattenfarbe überdeckt.

Im fünften Schritt werden die Details aufgesetzt. Jetzt kommt ein schmaler kleiner Katzenzungen zum Einsatz. Mit diesem werden die Sonnblumenblätter, die Stile der Äpfel und die Schatteneffekte gemalt. Auch die Spiegelungen auf der Vase entstehen mit dem kleinen Katzenzungenpinsel. Die Farbe kann pur verwendet oder mit wenigen Tropfen Standöl verdünnt werden.

Im sechsten Schritt entstehen die Lichtspiegelungen und Spitzlichter, die das Motiv plastisch und greifbar machen. Ich verwende dafür Titanweiß.

Im siebten Schritt male ich mit einem dunklen Grünton die Wand hinter dem Tisch. Die Schatten entstehen mit Schwarz und etwas Ultramarinblau.

Da die Farbe jetzt einige Zeit benötigt um zu trocknen, bleibt sie mindesten 2-3 Tage übermalbar und kann auch stellenweise wieder entfernt werden. So bekommt man den Spielraum für kleinere Korrekturen.



Arbeitet man mit Lösemitteln, trocknet die Ölfarbe recht schnell und lässt sich je nach belieben übermalen. Farben die ohne Lösemittel und Zugabe von Trocknungsbeschleunigern verarbeitet werden, brauchen Zeit. Die Schichten trocknen langsamer und deshalb muss man die Schichten gründlicher aufbauen. Man muss logisch vorgehen und am besten ist es, wenn die hellen Bildteile gar nicht erst mit dunkler Farbe in Berührung kommen. Wichtig ist in jedem Fall, dass die ersten Schichten dünn aufgetragen werden, dass ist nicht zu verwechseln mit mager und fett. Unter dünn verstehe ich, dass man mit wenig Farbe eine große Fläche erzeugt. Das ist möglich, weil Ölfarbe sehr gut pigmentiert ist und schon wenig Farbe deckend wirken kann. In Verbindung mit ein wenig Safloröl lässt sich Ölfarbe fast wie eine Aquarellfarbe aufbringen. Erst die folgenden Schichten können dicker aufgetragen werden. Je weniger man die Farbe verdünnt, desto besser lässt sie sich auftragen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Standöl die dickeren Schichten besser verbindet und die Farbe geschmeidiger macht.


Grundsätzlich lege ich die Farbskizze mit Safloröl (Distelöl) an und lasse diese Skizze über Nacht einfach stehen. Die Farbe und das Öl ziehen dann an und es ist ein leichtes am nächsten Tag weitere Schichten aufzutragen.

Für die Alla-Prima Technik eignen sich Pinsel mit Naturborsten – Schweineborsten – die die Farbe gut abgeben und die darunterliegen Schichten nicht abkratzen. Dieses Abkratzen kann mit Synthetikhaaren vorkommen, denn die Fasern werden bei Ölfarbe recht schnell stumpf und klumpen zusammen. Naturborsten muss man zwar gründlicher pflegen, sie halten aber länger und behalten lange das typische Muster im Strich der Ölfarbe.

Damit die Technik gelingt, sollten Sie nur das Material benutzen, dass ich Ihnen vorschlage. Verzichten Sie grundsätzlich auf Terpentin, Alkydharze, Malmittel, Testbenzin, Schellosol oder andere Zusätze.


Die richtige Pinselführung


Wer ohne Lösemittel arbeiten will, muss die Farbe in den ersten Schichten dünn auftragen. Man kann die Ölfarbe regelrecht mit einem Pinsel trocken aufbürsten, oder mit Safloröl leicht verdünnen und wie eine Aquarellfarbe benutzen. Ich verdünne die Farbe, damit ich gleich zu Beginn saubere Striche erhalte. Bei den folgenden Schichten werden die Pinselstriche nur aufgesetzt, d. h. man setzt den Pinsel auf einer Seite an und zieht ihn ohne Druck über Fläche und hebt ihn am Ende wieder ab. Der Pinsel darf nicht mehrmals über die Farbe laufen, sonst vermischen sich die darunter liegenden Schichten mit den gerade aufgetragenen und es entsteht ein grauer unansehnlicher Farbbrei. Hält man sich an die Regel, kann man zügig, aber nicht schnell, ein Bild in einem Arbeitsgang realisieren und zwar vollkommen ohne Lösemittel.

Bei der Alla-Prima Technik muss man das Motiv gut durchplanen. Einfach mal drauf los Malen ist nicht! Wichtig ist, dass man versteht, wie die Farbschichten aufgebaut werden und wie man diese mit dem Pinsel aufträgt. Grundsätzlich werden die ersten Bilder nicht sofort gelingen, Grund dafür ist der Farbauftrag. Man muss ein Gespür für die Menge der Farbe im Pinsel und der Menge auf dem Malgrund bekommen und das klappt nicht sofort. Wohl aus diesem Grund hat die Industrie für die Künstler die Malmittel entdeckt. Was früher die Ausnahme war und nur in geringen Mengen begefügt wurde, wird heute als Wunderwaffe angepriesen. Es geht auch anders!


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