Einfach Zeichnen

„ Es geht nicht um das was du zeichnen möchtest, sondern um das was du zeichnen kannst.“

Dieser Satz begleitet mich seit ich mich mit Zeichnen und Malen befasse und er trifft genau den Punkt. Auch ich erlag einmal der Selbstüberschätzung und meinte, ich könnte mich ohne Übung und Wissen an jedes Motiv heranwagen. Leider bin ich als Anfänger ebenso gescheitert, wie es bis heute fast alle meine Schüler erfahren mussten.
Man setzt große Erwartungen in sich selbst und vergisst in der Regel, dass man genau betrachtet ja als Anfänger gar nichts kann. Nun ja! Was soll daran schon schwierig sein ein paar Linien mit einem Bleistift nebeneinander zu setzen? Das schöne Foto abmalen wird ja wohl nicht so viel Mühe machen. Und genau hier beginnt der erste Fehler, auf den viele weitere folgen werden.
Erst einmal sollte man sich selbst einschätzen. Was kann ich? Wo sind meine Stärken und welche Schwächen habe ich? Leichter gesagt als getan! Bevor Sie überhaupt den Bleistift in den Hand nehmen, sollten Sie erst einmal wissen, welche Motive Sie zeichnen können. Nicht die Motive die Sie zeichnen wollen, sondern die, die zu einem Ergebnis führen, sind für Sie von Bedeutung. Aber wie kann man das herausfinden?

„Ich weis nicht was ich zeichnen soll“!

Diesen Satz höre ich seit über 30 Jahren in meinen Kursen und so langsam kann ich ihn nicht mehr hören. Aber dieser Satz zeigt auch das große Problem, dass über allem schwebt. Kaum jemand hat den Blick für das Motiv. Bevor man mit dem Zeichnen oder Malen beginnt, muss man erst einmal das Sehen lernen. Wie finde ich ein Motiv, was ist ein lohnendes Motiv und wie kann ich es in ein Bild umsetzen? Das sind die zentralen Fragen, die jeden Künstler beschäftigen sollten, bevor er sich um die Technik Gedanken macht
Ich habe noch gelernt, dass man über das hemmungslose Skizzieren recht schnell Motive finden kann. Dabei darf man keine Berührungsängste haben und muss loslassen können. Man kann, wenn man dazu bereit ist, in jeder Ecke ein lohnendes Motiv finden. Mir kommen immer wieder die Angstschweiß gebadeten Kursteilnehmer in den Sinn, die das weiße Blatt Papier nicht als Herausforderung sahen, sondern als Gegner. Der Bleistift wurde als zielsichere Waffe gegen sich selbst gerichtet. Warum? Ganz einfach, man setzte die Erwartungen an sich selbst so hoch, dass keine Luft mehr nach oben war.


Landschaften sind gute Übungsmotive Je einfacher das Motiv, desto leichter der Einstieg in die Technik.


Heufige Fehler!

Den ersten Fehler den man macht, ist die Motivwahl. Das Stock-Foto, ein schönes Stillleben mit Blumenvase, Blütenpracht und weiteren Gegenständen, wie Apfel und ausgestopftem Fasan ist zwar toll, wenn mans kann, aber ziemlich doof wenn man keine Ahnung von Perspektive, Bildgestaltung, Lichtführung, Stil usw. hat. Natürlich wäre es schön, wenn man gleich in der ersten Stunde solch eine Zeichnung vorzeigen könnte. Leider klafft hier Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander.

Den zweiten Fehler den man macht, ist das Abdriften in viel zu viele Details. Man fängt irgendwo an und verliert den Blick auf das Ganze. Selbstverständlich sind Details wichtig, aber ein Anfänger wird das Blattgerüst eines Baumes, also die Blätter oder eine Baumrinde kaum befriedigend zeichnen können. Die Reduzierung auf das Wesentliche ist oberstes Gebot.

Den dritten Fehler den man macht ist die Größe des Formats. Die einen packen viel zu viel Details in ein kleines Bildformat und die anderen viel zu wenig in ein großes Format. Die wahre Kunst ist es, für jedes Motiv das richtige Bildformat zu finden.

Den vierten Fehler den man macht ist das Material. Leider kann gerade ein Anfänger mit dem falschen Papier und dem falschen Bleistift sein ganzes Talent in die Tonne treten. Im Fachhandel kann der Zeichenanfänger viel kaufen, obwohl meistens 2-3 Bleistifte und ein Zeichenblock für die ersten Skizzen vollkommen ausreichen. Wichtig dabei ist, dass man die richtigen Härtegrade und das richtige Papier benutzt.

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Kleine Skizze beschränkt auf das Wesentliche.


Fehler vermeiden!

1. Motivwahl
Das richtige Sehen kann man lernen, wenn man will. Das setzt allerdings voraus, dass man mit offenen Augen durchs Leben geht, die rosarote Brille absetzt und Motive erkennt. Die Welt so wahrnimmt, wie sie tatsächlich ist, mit all ihren Schönheiten, aber auch Hässlichkeiten. Man muss aber auch bereit sein Selbstkritik zu üben, sein Talent und Wissensstand kennen.
Wichtig ist, dass man gleich zu Beginn offen ist, versucht in jedem und allem ein lohnendes Motiv zu sehen. Ein Motiv kann alles sein, man darf sich nicht zu fein sein einen angeschimmelten Apfel zu zeichnen oder zwei Farbtuben die auf dem Tisch liegen. Das Alltägliche kommt zu Dir, wer ständig nach dem ultimativen Motiv sucht, wird eh nicht fündig und kommt auch niemals zu einen brauchbaren Ergebnis.

Kleine einfache Zeichnungen können helfen, den richtigen Blick auf das Wesentliche zu entwickeln.

2. Details
Jeder Gegenstand hat mehr oder weniger Struktur auf der Oberfläche. Ein glatter Gegenstand wie Glas weniger, ein rauer Gegenstand wie Holz oder Stein weist eine größere Struktur auf. Bevor man sich an die Details wagt, sollte man den Blick auf das Wesentliche lenken. Das ist in erster Linie die Form des Gegenstandes, danach widmet man sich den Licht- und Schatteneffekten und ganz zum Schluss kommen die Details, wenn man diese Zeichnen möchte. Meistens wird man aber die Details nur noch andeuten und legt den Schwerpunkt auf die Licht- und Schatteneffekte. Denn eine spontane Zeichnung lebt durch das Weglassen und nicht durch ihren Detailreichtum. Anfänger vertiefen sich schnell in die Details und vernachlässigen das Ganze.

3. Format
Erste Zeichenversuche sollte man auf dem guten alten Din A 4 Format machen. Es gibt hervorragende Zeichenpapiere (Blöcke) in diesem Format. Ich empfehle meinen Schülern einen Rahmen auf das Blatt zu zeichnen. Am besten mit einem schwarzen Marker. Dieser Rahmen begrenzt das Motiv und lässt einem durch ein Fenster blicken, dessen Inhalt man dann zeichnet. Der Rahmen lenkt nicht ab und gibt genügend Sicherheit bei der Motivwahl, sowie deren Umsetzung. Nimmt man das ganze Blatt und beginnt zu zeichnen, wird man immer unbewusst auch das Blattformat ausnutzen wollen und zeichnet zu viel. Man verliert den Überblick und driftet ab. Mit dem Rahmen bleibt man im Fokus.

4. Material
Wenn Sie mal in einem der vielen Boesner - Läden gestanden haben, dann wissen Sie was ich meine. Braucht man das alles? Mit Sicherheit nicht, aber die große Auswahl macht einem nicht nur schwindelig, sondern auch ratlos. Da hat man schnell daneben gegriffen und das Falsche gekauft. Zum Zeichnen braucht ein Anfänger 2 bis 3 Bleistifte – HB, 2 B und 6 B. Einen Radiergummi, einen Bleispitzer und einen Block mit einem guten Zeichenpapier. Ich empfehle fürs Erste den Hahnemühle Dessin mit 150 Gramm im Format Din A 4 oder den Clairefontaine Dessin a Grain mit 180 Gramm. Beide Sorten sind schöne weiße Papiere für Bleistiftzeichnungen.



Empfehlung für Zeichenpapiere Hahnemühle Dessin ein leicht raues Zeichenpapier mit einer schönen Haptik. Clairfontaine Dessin a Grain ein raues Zeichenpapier für weiche Bleistifte.


>> Weiter auf Seite 2 mit der ersten kleinen Übung für Einsteiger


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