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Acrylfarbe und Volumenverlust

Kennen Sie das auch? Es gibt immer wieder Menschen die die Tatsachen einfach leugnen und das Gegenteil behaupten. In der Diskussion um die Acrylfarbe kommt das auch immer wieder vor, dabei ist es kein Geheimnis und wissenschaftlich bewiesen, dass Acrylfarbe beim Trocknen an Volumen verliert, also weniger wird. Ich sage Ihnen warum das so ist und wie sie damit umgehen können.

Warum wird die Farbe weniger?
Künstler-Acrylfarbe ist eine fein ausgewogene Dispersion aus Pigment in einer Emulsion aus Acrylpolymer und Wasser. Das Wasser ist dafür verantwortlich, dass die Emulsion flüssig bleibt und wirkt als eine Art von Trennmittel, die verhindert, dass die Acrylpolymerteilchen sich einander annähern und eine feste Verbindung eingehen, bevor die Farbe aus der Tube kommt.
Kommt die Farbe mit Luft in Berührung, verdunstet das in der Emulsion enthaltene Wasser, die Acrylpolymerteilchen kommen in direkten Kontakt und verschmelzen miteinander. Die lose umherschwimmenden Polymerteilchen organisieren sich neu zu einer stabilen hexagonischen Struktur, in der das Pigment festgehalten wird, es entsteht ein stabiler Farbfilm.
Weil in Acrylfarbe, neben Pigment, Hilfs- und Netzmittel und Stabilisatoren auch Wasser enthalten ist und dieses beim Trocknen verdunstet kommt es zum Volumenverlust. Ist das Wasser weg, fehlt genau dieser Teil und die Farbe schrumpft auf das was sie ist, Acrylpolymer und Pigment. Man kann und darf folgerichtig daraus schließen, je mehr Wasser in einer Farbe, desto größer der Volumenverlust.

Verschiedene Acrylfarben aus der Tube

Welche Auswirkungen hat das Zusammenschrumpfen der Farbe?
In der täglichen Praxis muss man beachten, dass dicke Farbschichten, die zu schnell antrocknen auch schnell schrumpfen und somit den Malgrund unter Spannung setzen. Dadurch verzieht sich der Malgrund und kann nicht wieder in Form gebracht werden, weil die Farbschicht sich nicht ausdehnen kann. Je dicker die aufgetragene Farbschicht, desto stärker die Zugkräfte, die auf den Malgrund wirken. Ein Verziehen des Malgrundes kann man häufig beobachten. Malplatten aus Holz oder MDF wellen sich an den Ecken nach oben, Keilrahmen werden unförmig oder das Maltuch verändert seine Spannung, aus einem Kreis wird ein Oval. Schlimmer ist das „Abrutschen“ des Maltuches aus dem Klammern, welches den Halt auf dem Keilrahmen vermindert oder sogar zerstören kann.
Trägt man auf eine getrocknete Farbschicht weitere dicke Farbschichten auf, entsteht beim Trocknen auch weiterhin Schwund, der sich dann unmittelbar auf die darunter liegende Farbschicht auswirkt. Je nach Farbe und Qualität kann es vorkommen, dass sich mehrere Schichten nicht homogen verbinden und Mikrorisse entstehen.

Kann man den Volumenverlust vermeiden?
Leider NEIN! Der Volumenverlust ist durch das Wassers in der Farbe geschuldet und kann nur gemindert werden, aber nicht verhindert. Es gibt Künstleracrylfarben, die wenig Wasser beinhalten und welche die viel Wasser beinhalten. Bei den Künstleracrylfarben hält sich der Volumenverlust je nach Sorte in vertretbaren Grenzen. Anders ist das bei den NoName und Basics Produkten, die bekanntermaßen mit Wasser gestreckt werden und einem sehr hohen Schrumpfungsprozess unterlegen sind. Verhindern können das auch nicht sog. Verdicker, meist Silikone, die das Volumen strecken und Konsistenz erhalten sollen.

Wenn man schon den Schrumpfungsprozess nicht aufhalten kann, sollte man dann die Maltechnik ändern?
Gut gemeinte Ratschläge gibt es viele, aber keine können das Versprechen halten und einige verschlimmern die Schrumpfung noch. Es gibt jedoch eine Regel, die man bei der Benutzung von Acrylfarbe beachten sollte: Je dünner der Farbauftrag, desto weniger der Volumenverlust. Verdünnt man die Farbe mit Wasser, wie man es bei der Lasur tut, und lässt jede Schicht gut antrocknen, hält sich der Schwund in Grenzen und wird kaum auffallen.
Im Gegensatz dazu wird bei einem pastosen Farbauftrag der Schwund größer ausfallen und sichtbar werden. Das muss allerdings nicht unbedingt immer an der Farbschicht selbst erkennbar sein, sondern kann sich auch auf dem Malgrund bemerkbar machen.
Es macht dabei keinen Unterschied ob die Farbe sehr flüssig oder eher pastos eingestellt ist, wenn der Farbbrei 1 : 1 aus der Flasche, aus der Tube oder aus dem Eimer kommt und unverdünnt aufgetragen wird, verdunstet der darin enthaltene Wasseranteil und die Farbschicht verliert an Volumen.
Verdünnt man die Farbe zusätzlich mit Wasser, wie man es bei der Lasurtechnik tut, wird auch das Acrylpolymer verdünnt. Beim Trocknen entsteht eine wesentlich dünnere Schicht auf dem Malträger, sodass der Schwund geringer ausfällt.

Man kann also sagen, je dicker der Farbauftrag, desto größer der Schwund, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Malgrund verzieht oder die Farbschicht Risse bildet.

>> Warum Acrylfarbe nachdunkelt