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Malen mit Ölfarben, aber ohne Lösemittel!

Ich bekomme täglich Mails von verstörten und kranken Hobbykünstlern, die lange und gerne mit Ölfarbe gemalt haben, aber jetzt Angst haben krank zu werden oder bereits krank sind. Die Sache mit den Lösemitteln wird erst jetzt vielen Bewusst und die Angst ist sicherlich nicht unbegründet, denn Terpentin, Testbenzin, Alkydharze, Nitro-Verdünnung und Aceton u. a. sind gefährlich, können Hautreizungen, Augenreizungen, Benommenheit und Lungenprobleme auslösen. Bei längerem Gebrauch auch die Leber und die Nieren schädigen und können krebserregend sein. Bei direktem Kontakt wird das Lösemittel über die Haut aufgenommen und kommt leicht in den Blutkreislauf, wo es sich dann im ganzen Körper verteilt und anreichert.

Aber braucht man zum Malen mit Ölfarben eigentlich die ganzen Verdünner, Lösemittel, Malmittel und den Rest des gesundheitsschädlichen Zeugs, oder geht es auch ohne? Diese Frage stelle ich mir seit 2012, nachdem ich feststellte, dass ich nach 30 Jahren eine Allergie gegen die Terpentine, Alkydharze und Verdünner entwickelt hatte. Außerdem starb ein guter Freund und Künstler recht früh an Krebs, und keiner wusste warum. In seinem Atelier standen die Lösemittel literweise offen herum und wurden in großen Mengen auf die Leinwand gebracht.

Aber erst mal der Reihe nach, bevor man die Farbe verteufelt und nicht mehr damit arbeitet, sollte man genau wissen was Ölfarbe eigentlich ist und wie man damit richtig umgeht.

Was ist Ölfarbe
Das Farbpigment wird in einen Träger aus Leinöl und manchmal auch Sonnenblumenöl, Safloröl oder Nussöl angerieben. Heute macht man das nicht mehr mit der Hand auf einem Stein mit einem Glasläufer, sondern auf Walzenstühlen. Gute Ölfarben müssen nach dem Anreiben Wochen oder Monate ruhen, damit sich das überschüssige Öl absetzen kann. Theoretisch wäre nur Öl und Pigment nötig, um eine Künstler-Ölfarbe herzustellen, praktisch ist das aber für eine Farbe aus der Tube nicht möglich. Die meisten Hersteller setzen sog. Hilfsmittel zu, wie Entschäumer, Netzmittel, Konservierungsstoffe oder Harze, damit die Farbe länger stabil bleibt und sich gut vermalen lässt.

Will man also seine Farbe nicht selbst herstellen, bleibt nur Wahl für welche Sorte/Hersteller man sich entscheidet.

Gute und schlechte Ölfarben!

Warum es so wichtig ist, beim Malen die richtige Sorte zu finden, wenn man auf Lösemittel verzichten will? Je billiger eine Farbe, desto mehr Chemie, keine Weisheit, sondern eine Tatsache. Niemand darf ernsthaft glauben, dass eine Ölfarbe zu einem extrem günstigen Preis optimale Maleigenschaften entwickelt.

Nehmen wir die Eigenmarke eines Versandhändlers, beschrieben wird sie als Studienqualität, alle Farbtöne eine Preisklasse, die 60 ml Tube für ca. 4,00 Euro, die 200 ml-Tube für 7,00 Euro, was ja schon im krassen Gegensatz zur 60 ml Tube steht (der richtige Preis wäre 13,20 Euro für die 200 ml). Nun, was ist in der Farbe drinnen? Leinöl, Sonnenblumenöl oder billiges Rapsöl, Palmöl, Sterin oder Wachs, oder eine Mischung von allem, man weiß es nicht!

Damit solch eine Mischung überhaupt hält und vermalbar gemacht werden kann und gleichmäßig trocknet, werden ordentlich Zusätze beigemischt, denn ohne Chemie geht’s nun mal nicht. Obwohl sich die Hersteller in Schweigen hüllen, dürfte in den meisten dieser Billig-Farben Terpentinöl, Testbenzin, Alkydharz und viele andere Stoffe (Konservierungsmittel, Additive und Sikkative usw.) beigemischt werden.

Eine Tube macht noch nicht krank, aber viele Tuben, Malmittel, Verdünner und große Formate können ihren Teil dazu beitragen.

Gute Ölfarben werden aufwändig und mit den besten Zutaten hergestellt. Gereinigtes Leinöl, Safloröl und gebleichtes Sonnenblumenöl auf Walzenstühlen angerieben. Diese Farben lassen sich ohne Verdünnung und Malmittel verarbeiten und enthalten wenige Zusätze, wie Entschäumer oder Fließmittel. Einige Farbpigmente benötigen spezielle Harze und Bindemittel, damit Sie gleichmäßig trocknen. Gerade in bunten Farbtönen können auch hier geringe Mengen Alkydharze oder Testbenzin beigemischt werden. Diese sind aber bei normalem Gebrauch der Farbe nicht schädlich.

Ein erfahrender Künstler benötigt auch nicht das ganze Farbangebot, sondern wird sich auf 10 oder vielleicht 20 Farbtöne beschränken und übt sich im Mischen. Ich arbeite fast nur mit Naturtönen und benutze nur wenige Bunttöne, wie Kadmiumrot oder Kobaltblau. Da Ölfarbe sehr ergiebig ist, reichen Tubengrößen von 30 bis 60 ml vollkommen aus. Auch Ölfarbe wird irgenwann nach einer gewissen Zeit schlecht - ranzig und schmierig - und kann dann nicht mehr benutzt werden.

Künstler-Ölfarben

Hier meine Empfehlung für gute Künstler-Ölfarben, die man in Deutschland bekommen kann:

Schmincke Norma
Royal Talens Rembrandt
Lukas 1802
Sennelier Extra Feine Künstler Ölfarbe
Old Hollandse Ölfarbe für Künstler
Maimeri Puro
Winsor & Newton Artist Oil Colour.

Was ist mit Schmincke Mussini?
Eine der besten Ölfarben auf dem Markt! Aber die Farbe besteht nicht nur aus Pigment und Öl, sondern wird mit Naturharzen zur gleichmäßigen Trocknung vermischt. Das geht meiner Meinung nach nur mit Lösemitteln, die man teilweise auch erriechen kann. Schmincke gibt selbst zu, dass die Eigenschaften nur zu bekommen sind, wenn die Dammarlösung im verdunstenden Lösemittelanteil kompensiert. Der Lösemittelanteil ist zwar sehr gering, kann aber bei einen empfindlichen Menschen durchaus zu Problemen führen. Ich selbst habe noch keine Probleme mit der Mussini gehabt, kenne aber Allergieker die damit nicht klarkommen. Deshalb kann ich in diesem Fall nur zu einem Test raten und im Zweifel auf die Norma oder eine andere Farbe umsteigen.

Welchen Einfluss hat die Maltechnik

Welchen Einfluss hat die Maltechnik oder wie malen wir eigentlich mit Ölfarbe?
Das ist die Frage, die man sich stellen muss. Gibt es traditionelle Regeln, die man beachten sollte, oder kann jeder die Farbe so verwenden wie er will? Je länger ich mich mit der Materie beschäftige, desto mehr Fragen stelle ich, bekomme aber keine Antworten. Der Umgang mit der Ölfarbe hat sich um 1850 verändert. Die industrielle Herstellung machte die Farbe für jeden zugänglich und durch die sich neu definierende Kunstszene gab es plötzlich ganz neue Techniken. Das hat sich bis heute nicht geändert und ist auch der abstrakten und gegenstandslosen Malerei geschuldet.

Da Ölfarbe nicht durch Verdunstung, wie Acrylfarbe oder Aquarellfarbe trocknet, sondern durch Oxidation, stellt sie besondere Ansprüche beim malen. Durch Sauerstoff und Licht oxidiert das Öl und wird dauerhaft hart. Bis ein Bild vollständig getrocknet ist, kann es mehrere Monate dauern. Allerdings kann man, je nach Farbe, dicke des Auftrages und Malgrund, die Oberfläche der Ölfarbe schon nach 2-4 Tagen anfassen und weiter bearbeiten. Je dünner die Farbschichten sind und je trockener sie aufgetragen werden, desto schneller die Trocknung. Trotzdem ist Ölfarbe eine „langsame“ Farbe, für die man Geduld braucht, im Gegensatz zur Acrylfarbe, die nach wenigen Stunden fertig ist.

Ölfarbe trocknet langsam, wünscht man eine schnellere Trocknung, geht das nur, wenn man spezielle Mittel beimischt, mit dem das Öl schneller Sauerstoff aufnehmen kann. so z. B. Sikkative, wie metallorganische Kobaltverbindungen, gelöst in Testbenzin oder Alkydharze gelöst in Terpentin.

Ich habe 30 Jahre in der Öllasurttechnik gemalt und verbrauchte im Jahr 3-5 Litert Balsam-Terpentinöl, 20 Liter Terpentinersatz, 2 Liter Alkydharz und diverse Malmittel. Ich habe die Technik so gelernt und war mir sicher, dass es nur so geht, denn die Farbe sollte schnell und gleichmäßig trocknen. Also viel hilft viel und natürlich war es toll, wenn man am nächsten Tag mit der Arbeit weiter machen konnte, denn die Farbe war hart. Also schnell arbeiten und schnelle Ergebnisse, das ist es, worum es geht und deshalb gibt es die vielen Malmittel, Medien und Sikkative, die alle mit Lösemittel angemischt sind. Hier eine kleine Auswahl der Inhaltsstoffe: Lackbenzin, Cyclohexanonharze, Acrylharz, Testbenzin, Alkydharz, Aceton, Aldehyharz, Kobaltverbindungen usw. alles krebserregende Substanzen!

Lösemittel

Terpentinersatz, Balsam Terpentinöl, geruchloser Verdünner

Warum die Löse- und Malmittel?

Aus meiner Sicht einzig und allein zur schnelleren Trocknung oder zur Verdünnung. Langsame Trocknung liegt in der Natur der Ölfarbe und will man die Zeit verändern, die die Farbe zum trocknen benötigt, muss man nachhelfen. Das geht heute am besten mit billigen Terpentinersatzlösungen, Nitro-Verdünnern und Spezialbenzinen, die das traditionelle Balsam-Terpentin ersetzt sollen. Reines unverschnittenes Balsam-Terpentinöl ist teuer und kann auch als Lösungsmittel verschiedener Harze und Öle verwendet werden. Aber auch Balsam-Terpentinöl ist bei langfristiger Anwendung giftig.

Viele Maler glauben, wenn Sie auf aromatenfreie Verdünner (Shellsol) ausweichen, wäre die Gefahr kleiner. Leider ist das ein Irrglaube, denn der völlig geruchslose Verdünner setzt genauso lösemittelhaltige Dämpfe frei, wie die herkömmlichen Verdünner. Da man das Zeugs nicht riechen kann, währt man sich auf der sicheren Seite und vergisst die Gefahr.

Wie haben das die alten Meister gemacht?

Ob eine Ölfarbe verdünnt oder die Konsistenz verändert wird oder nicht, ist abhängig von der Maltechnik. Mit Ölfarbe sind drei Techniken möglich: die Alle Prima Technik, die Schichtenmalerei und die Lasurmalerei.

Bei der Alla Prima Malerei wird das Bild nass in nass in einem Arbeitsschritt gemalt. Die Farbe wird pur oder leicht verdünnt verwendet. Es gibt nur eine Farbschicht, die in der Regel gleichmäßig durchtrocknet.

Wie der Name schon andeutet, wird bei der Schichtenmalerei das Bild in verschiedenen Farbschichten aufgebaut. Eine neue Farbschicht kann erst aufgetragen werden, wenn die darunterliegende Schicht trocken ist.

Wird ein Bild in der Lasurtechnik gemalt, müssen die ersten Farbschichten gut trocken sein, bevor die stark verdünnte Farbe überlasiert wird. Um zügig arbeiten zu können, muss der Farbe ein Malmittel beigemischt werden. Meistens benutzt man zur Verdünnung Terpentin und Alkydharze, die auch die Trocknung erheblich beschleunigen.

Die alten Meister kannten die heute erhältlichen chemischen Verbindungen nicht und verwendeten eine Mischung aus Standöl und Terpentin (Venezianisches Terpentin = Lärchenterpentin). Vielleicht kamen noch ein paar natürliche Harze und Metallverbindungen dazu, aber man muss berücksichtigen, dass die Mittelchen teuer waren und man sparsam damit umgegangen ist.

Mit Sicherheit haben die alten Meister Standöl und Terpentin nicht literweise über ein Bild geschüttet oder die Farben extrem verdünnt, so wie man das heute beobachten kann.

Wie die Gemälde aber wirklich entstanden sind und welche Mittel man benutzt hat, weiß heute keiner mehr. Das Wissen darüber ist zum größten Teil verloren gegangen, deshalb kann man kaum noch Rückschlüsse ziehen. Selbst Restauratoren tappen meist im dunklen, und es ist kein Geheimnis, dass Kunstfälscher immer wieder ein leichtes Spiel haben, weil es nur noch Halbwissen gibt.

Und gerade deswegen sollten Freizeit- und Hobbykünstler auf eine verlässliche Maltechnik setzen, die einfach zu machen ist und ohne Lösemittel auskommt.